Wer braucht noch Kameras?

Für begeisterte Smartphone-Nutzer sind in letzter Zeit viele kreative und mächtige Apps erschienen. Sie stellen lang ersehnte und schlau kombinierte Funktionen für einen nur kleinen Aufpreis zur Verfügung. Die neueste Software-Errungenschaft, die bei mir für Begeisterung sorgt, ist die Video-App SloPro. Sie ermöglicht es HD-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufzunehmen und diese als saubere Zeitlupenaufnahme auszugeben. Der Dienst Instagram hat es mit seinem anwenderfreundlichen Bedienumfang geschafft eine große Nutzergruppe auf sich zu ziehen. Der Social-Media Riese Facebook hat so gerade eine Milliarde US-Dollar für diese scheinbar kleine Applikation locker gemacht.

Ein Blick hinüber in das Segment der puristischen Digitalkameras zeigt, dass Erweiterungen hier nicht günstig zu haben sind. Die Aktualisierungen der Firmware dienen vor allem zur Behebung von Fehlern. Verbesserte Funktionen und naheliegende Erweiterungen werden nicht durch eine Aktualisierung, sondern durch das Nachfolgemodell bereitgestellt. Eine Bearbeitung und das direkte Teilen findet man bisher nur bei exotischen Modellen. Canon möchte alleine für seinen Wireless File Transmitter mehr haben, als man für ein modernes Smartphone ausgeben muss. Einen angeschlossenen Computer mit Bearbeitung, Archivierung und Weiterleitung braucht man natürlich auch noch. Nicht gerade die direkte Art der Umsetzung. Da ist der Griff zur analogen Kamera und Film mit anschließender Entwicklung fast naheliegender, falls einmal der Wunsch nach sequentiellem Arbeiten und Entschleunigung besteht.

Auch preislich ist hier momentan nicht gerade von einer Revolution zu sprechen. Die Innovation bei der Videoaufnahme, dem Sensor und Fokussystem sind nach wie vor erstaunlich, jedoch werden für die neuen Funktionen auch deutlich höhere Preise verlangt. Mit Hell and Back Again wurde das erste mal ein Film für den Oscar nominiert, der lediglich mit einer DSLR (Canon 5D MKII) gedreht wurde. Mal schauen wie lange die multifunktionalen Geräte (heute noch: Smartphones) brauchen werden auch diese Bühne einzunehmen.

Die Digitalkamera wäre nicht die erste Geräteklasse, die wegen einseitiger Funktionalität bedeutungslos wird. Bald könnte sie im Regal zwischen Gameboy und Discman verstauben oder auf einem anderen Kontinent als Elektroschrott enden.

Ein Gedanke zu „Wer braucht noch Kameras?“

  1. Eine Idee wäre das Betriebssystem der Kameras auf, beispielsweise Android umzustellen um die Qualität der Kameraaufnahmen mit den direkten Apps-Bearbeitungsmöglichkeiten zu koppeln. Das wäre mein Wunsch zur Zeit 🙂 Ansonsten stimme ich hier gerne zu. Die DSLR verstaubt im Regal während mein Mobiltelefon immer öfters als Instagram Point&Shoot fungiert.

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